Aufruf an alle Betroffenen und Zeugen der Polizeiaktion im Darmstädter Fanprojekt am 03.12.2017

Das Team der Lilien-Fanhilfe möchte allen von den im Zusammenhang mit der Durchsuchung des Fanprojekts betroffenen Fans ans Herz legen, ein Gedächtnisprotokoll der Vorgänge anzufertigen. Diese Aufzeichnungen können euch später entweder bei weiterem Ärger nützlich sein, da ihr eure Erinnerungen frisch haltet, oder sogar dabei helfen widerrechtlichem Verhalten von Beamten nachzugehen.

Schildert bitte die Vorgänge aus eurer Perspektive:
Wie und wann kamen die Polizei zum Fanprojekt?
 Wie haben sie sich verhalten? Was haben sie zu Euch oder anderen gesagt?
Wie lief eure Personenkontrolle und Durchsuchung ab? 
Habt ihr Namen, Dienstnummern oder Autokennzeichen gemerkt? 
Wurden euch Dinge vorgeworfen, wurdet ihr körperlich unverhältnismäßig hart angegangen, beleidigt oder ähnliches?

Bewahrt euer Gedächtnisprotokoll gut auf, um später jederzeit uf eure konservierten Erinnerungen zugreifen zu können. Sie erleichtern euch korrekte Aussagen in späteren Verfahren.

Dies gilt ebenfalls für Zeugen, die Übergriffe der Polizei beobachtet oder sogar dokumentiert haben! Meldet euch bitte auf Facebook oder per Email bei der Lilien-Fanhilfe!

lilien-fanhilfe@gmx.de

Unverhältnismäßiger Polizei-Einsatz im Fanprojekt

Darmstadt, 3.12.2017
Die Enttäuschung über die Niederlage im Abstiegskampf gegen den SSV Jahn war bei allen Lilienfans noch nicht abgeklungen, da wurde der Sonntag durch einen anderen Vorfall vollends zur Nervenprobe.

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Bild: privat

Nach dem Spiel wollten einige Lilienfans direkt vom Stadion aus zur angekündigten Weihnachtsfeier des Fanprojekts gehen. Verteilt lief die Gruppe von Lilienfans über die Nieder-Ramstädter-Straße bis zu den Räumlichkeiten des Fanprojekts in der Erbacher Str.1, wo um 17:30 Uhr eine größere Anzahl an Polizei-Dienstfahrzeugen vorfuhr und die friedliche Feier beendete. Hier wurde bekannt, dass es wohl zu einem Eigentumsdelikt ohne Körperverletzung im Bereich des Jugendstilbads gekommen sein soll. Da die Polizei die unbekannten Täter im Fanprojekt vermutete, wurde die Räumlichkeit von der Darmstädter Polizei, sowie einer eingesetzten Beweis- und Festnahmeeinheit umstellt. Der bloße Verdacht aufgrund der räumlichen Nähe des Fanprojekts zum Tatort reichte der oder dem zuständigen Richter/in wohl aus, um den kurzfristigen Antrag der Einsatzleitung auf einen Durchsuchungsbeschluss stattzugeben. Daraufhin erfolgte eine Personenkontrolle aller Anwesenden (rund 60 Fans) inklusive Durchsuchung und Lichtbildnahmen. Dabei war keinerlei nachvollziehbare Einsatzstrategie zu erkennen, da die eingesetzten Beamten den ersten 15-20 kontrollierten Personen ein willkürliches Platzverbot erteilten, um anschließend alle verbliebenen (größtenteils jüngeren) Personen vor dem Fanprojekt einzukesseln und anschließend in der Kälte auf unbestimmte Zeit warten zu lassen.

Im Anschluss durchsuchten die eingesetzten Beamten sehr gründlich die Räumlichkeiten des Fanprojekts, ohne jedoch die vermissten Fanutensilien oder die vermeintlichen Täter zu finden. Nur dem kooperativen Einsatz der Fanprojekt-Mitarbeiter und dem kühlen Kopf der anwesenden Lilienfans ist es zu verdanken, dass die Situation ohne jegliche Eskalation abgelaufen ist.

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Bild: privat

Wir verurteilen diesen Einsatz auf das Schärfste. Mit der Durchsuchung einer sozialpädagogischen Fan-Einrichtung, die seit 15 Jahren dafür bekannt ist als Anlaufstelle und Schutzraum für jugendliche Lilienfans zu fungieren, hat die Polizei eine deutliche Grenze überschritten und viel vertrauensbildende Arbeit an einem einzigen Abend zerstört. Die schon lange geplante Weihnachtsfeier, von der die Einsatzleitung und Szenekundigen Beamten durch den Fanprojekt-Beirat bereits im Vorfeld Kenntnis hatten, konnte somit nicht wie geplant stattfinden. Stattdessen muss nun darüber diskutiert werden, ob der reine Verdacht und räumliche Nähe zu einer Straftat ausreichend sind, um ein etabliertes sozialpädagogisches Jugendhaus in dieser Form zu kriminalisieren und das Verhältnis zwischen Polizei und Fanszene damit weiter wissentlich zu verschlechtern. Und das ohne am Ende einen Beweis für die Notwendigkeit der Maßnahme zu erbringen.

Zudem bleibt auch die Frage, was genau mit den erfassten Daten passieren wird. Viele der kontrollierten Fans sind weder polizeibekannt (teilweise noch nicht mal volljährig) und müssen nun damit rechnen, dass ihre Daten in diesem Zusammenhang abgespeichert werden, obwohl sie sich nichts haben zu Schulden kommen lassen. Wie schnell heutzutage sein Name in Sammelkarteien wie der häufig kritisierten „Datei Gewalttäter Sport“ steht, ohne dass überhaupt ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde, ist weithin bekannt und verstärkt unsere Sorgen in diese Richtung. Wir raten daher allen betroffenen Lilien – nach angemessenem Zeitraum und am besten in Absprache mit der Lilien-Fanhilfe – zu einer Datenabfrage und Beantragung auf Löschung (die Anträge dazu findet ihr auf unserer Homepage unter http://fanhilfe.block1898.de/?page_id=31 ). Wer sich im Nachgang dieser Maßnahme weiteren rechtlichen Schritten ausgesetzt sieht, sollte uns bitte umgehend kontaktieren. Wir stehen euch mit Beratung und Hilfe im Umgang mit Polizei, Justiz und Verwaltungsbehörden zur Seite

Weiter bitten wir mögliche Zeugen, die Rechtsübertretungen der Polizei im Zusammenhang der durchgeführten Maßnahmen gesehen oder sogar dokumentiert haben, sich bei uns via Email oder Facebook zu melden.

Lilien-Fanhilfe